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Erwin Piscator
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Erwin Friedrich Max Piscator (* 17. Dezember 1893 in Ulm, heute zu Greifenstein gehĂśrig; â 30. März 1966 in Starnberg) war ein deutscher Theaterintendant, Regisseur und Theaterpädagoge.
Piscator war ein einflussreicher Avantgardist der Weimarer Republik, der das Theater unter Ausweitung der bĂźhnentechnischen MĂśglichkeiten zum âpolitischen Tribunalâ umfunktionierte. Mit Hilfe komplexer Arrangements von Filmdokumenten, Bildprojektionen, laufenden Bändern und FahrstĂźhlen kommentierte er das theatrale Geschehen und erweiterte die BĂźhne zum epischen Panorama.
Das an den Piscator-Bßhnen der Weimarer Republik entwickelte politische Theater erzielte breite Resonanz, veranlasste die Zeitgenossen jedoch angesichts der Abgrenzung des Regisseurs von einer Bßhnenästhetik des reinen KunstschÜnen zu sehr widersprßchlichen Einschätzungen. Piscators Inszenierungen wirkten auch auf die Theatertheorie Bertolt Brechts ein, der mit seinem epischen Theater Anleihen bei Piscator machte.cite-ref-1[1]
Nach langjähriger Emigration in der Sowjetunion, Frankreich und den Vereinigten Staaten traf Piscator in den 1950er und 1960er Jahren in der Bundesrepublik erneut den Nerv der Zeit mit Inszenierungen von Gegenwartsstßcken zur NS-Vergangenheit. Damit leitete er eine Phase des Gedächtnis- und Dokumentartheaters ein, die auf breiter Ebene zu gesellschaftlichen Debatten um Fragen der Geschichtspolitik fßhrte.
Contents
⢠Leben
⢠Inszenierungen
⢠Literatur
⢠Schriften
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Jugend und Erster Weltkrieg (1893â1918)
Piscator entstammte einer calvinistischen Kaufmannsfamilie aus Mittelhessen. Seine Eltern Carl Piscator und Antonie Karoline Katharina Piscator (geb. Laparose), ab 1899 in Marburg ansässig, waren Mitinhaber einer Textilmanufaktur. Zu seinen Vorfahren zählte Erwin Piscator den Theologen und Bibelßbersetzer Johannes Piscator, der um 1600 seinen Familiennamen Fischer latinisiert hatte.cite-ref-2[2]
Das Erlebnis eines Gastspiels des GieĂener Stadttheaters in Marburg lieĂ den jungen Piscator den Entschluss fassen, anstatt der ihm vorbestimmten kaufmännischen Laufbahn den Einstieg in das Theaterfach zu suchen.cite-ref-3[3] Nach dem Schulbesuch am Gymnasium Philippinum und an der Städtischen Oberrealschule in Marburg absolvierte Piscator ab Herbst 1913 bei der Theaterschule Otto KĂśnig in MĂźnchen eine Schauspielausbildung. Nach einem Wechsel der Schauspielschule attestierte Piscators neuer Lehrer Carl Graumann dem jungen SchauspielschĂźler eine starke Begabung.cite-ref-4[4] Zugleich belegte Piscator Lehrveranstaltungen in Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik an der Universität MĂźnchen, unter anderem bei Artur Kutscher, einem der BegrĂźnder der Theaterwissenschaft.cite-ref-5[5] In der Spielzeit 1914/15 volontierte Piscator auch am KĂśniglichen Hof- und Nationaltheater, einer ästhetisch ganz der Tradition des 19. Jahrhunderts verbundenen BĂźhne.
Den Ersten Weltkrieg erlebte Piscator unter anderem in den Stellungskämpfen in Westflandern. Im FrĂźhjahr 1915 wurde er als âLandsturm-Pflichtigerâ einer Infanterieeinheit an der Ypern-Front zugeteilt und erlitt nach wenigen Monaten schwere Verwundungen. Die Kriegserfahrung prägte die pazifistische und sozialistische Ăberzeugung Piscators, der damals âauch nicht im geringsten den Atem dieser âgrossen Zeitââcite-ref-6[6] verspĂźrte. Von Piscators antimilitaristischer Haltung zeugen die verstĂśrenden Gedichte, die er während der Kriegsjahre in Franz Pfemferts literarischer und politischer Wochenschrift âDie Aktionâ verĂśffentlichte.cite-ref-7[7] Ab Herbst 1917 beteiligte Piscator sich an einem Fronttheater, das ein Repertoire populärer UnterhaltungsstĂźcke zeigte und dessen Spielleitung ihm nach einem halben Jahr Ăźbertragen wurde.
FrĂźhe Theaterarbeit und VolksbĂźhnen-Zeit (1918â1927)
Nach Kriegsende setzte Piscator seine Studien an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin fort und schloss sich der Berliner Gruppe des Dadaismus um die Maler und Grafiker George Grosz und John Heartfield an. Nach der Novemberrevolution trat er in die KPD ein. Ein erstes eigenes Theaterprojekt in KĂśnigsberg, bei dem Piscator lauter âvergessene alte Ăbungen des Theatersâ neu belebte, darunter âdie Verwandlung auf offener Szene und der sichtbar gelassene SchnĂźrboden,âcite-ref-8[8] scheiterte nach wenigen Monaten. In KĂśnigsberg lernte Piscator seine erste Frau kennen, die sechs Jahre jĂźngere oberschlesische Schauspielerin Hildegard Jurczyk, die am Neuen Schauspielhaus auftrat. Erwin Piscator und Hildegard Jurczyk heirateten im Oktober 1919. Nach dem Scheitern seiner ersten eigenen BĂźhne in KĂśnigsberg ging Piscator erneut nach Berlin und grĂźndete dort im Herbst 1920 das âProletarische Theaterâ.cite-ref-9[9]
Bei einer Inszenierung von Alfons Paquets Schauspiel Fahnen an der VolksbĂźhne Berlin nutzte Piscator im Mai 1924 ausgiebig Projektionen und Zwischentitel auf Leinwänden und nahm damit â wie schon bei frĂźheren Inszenierungen â zentrale Stilmittel des âepischen Theatersâ vorweg. Paquet hatte sein StĂźck zudem nicht-gattungskonform als âdramatischen Romanâ bezeichnet.cite-ref-10[10] In Zusammenhang mit dieser Piscator-Inszenierung kommentierte Alfred DĂśblin im Leipziger Tageblatt, der Urheber des StĂźcks sei âepisch, nicht lyrisch entflammtâ und die von Paquet geprägte Form des Roman-Dramas kĂśnne wieder zum âMutterboden des Dramasâ werden.cite-ref-11[11] In der wenige Jahre später aufkommenden Debatte um die Urheberschaft am Begriff und der Methodik des epischen Theaters spielten die Beobachtungen DĂśblins von 1924 eine wichtige Rolle.
Im Anschluss an die erfolgreiche Fahnen-Produktion wurde Piscator 1924 als Oberspielleiter fest an die VolksbĂźhne am BĂźlowplatz verpflichtet. Die VolksbĂźhne Berlin war eine mitgliederstarke Besucherorganisation, deren Anspruch darin bestand, der Berliner Arbeiterschaft unter dem Leitgedanken âDie Kunst dem Volkeâ Zugang zum bĂźrgerlichen Bildungsgut zu verschaffen. Die erklärte Absicht des erst kurze Zeit in sein Amt eingefĂźhrten VolksbĂźhnen-Intendanten und Piscator-Entdeckers Fritz Holl war, âder jungen Dramatik, die die Bewegungen der Zeit reflektierte,âcite-ref-12[12] den Weg zu bereiten. Neben seiner neuen Funktion als Oberspielleiter an der VolksbĂźhne setzte Piscator Satireabende, Sprechchorwerke und politische Revuen im Auftrag der KPD in Szene, in denen er erstmals den Einsatz filmischer Mittel erprobte.
Erhebliches Aufsehen erregte eine Gastinszenierung, die Piscator 1926 am PreuĂischen Staatstheater unter der Intendanz Leopold Jessners ausfĂźhrte, Friedrich Schillers Schauspiel Die Räuber. Gegen die seit der Märzrevolution 1848 auf deutschen BĂźhnen verstärkt gepflegte pathetische ĂberhĂśhung von Schillers Dichtung setzte Piscator eine radikale ĂberprĂźfung und Aktualisierung seiner Vorlage. Vor einer simultanen EtagenbĂźhne wurde in ineinander verschränkten Sequenzen der bandeninterne Gegenspieler des Grafensohns Karl Moor, Moritz Spiegelberg, in Trotzki-Maske als ein âVerstandesrevolutionär bolschewistischer Prägungâ in Szene gesetzt. Der âSchillersche BĂśsewichtâ Spiegelberg âavancierte zum Helden, der sich nicht von persĂśnlichen GefĂźhlen oder Ehrgeiz verfĂźhren lässt.âcite-ref-13[13]
Obwohl verschiedene Klassikerinszenierungen der Weimarer Republik wie Erich Ziegels Hamburger Räuber-Inszenierung von 1921 mit aktualisierenden Elementen wie zeitgenĂśssisch kostĂźmierten und militärisch organisierten Räuberncite-ref-14[14] aufgewartet hatten, Ăźbertraf das Echo auf die rasante Piscator-Produktion vorhergegangene Kontroversen deutlich sowohl an Schärfe als auch in der Gegensätzlichkeit der Einschätzungen. Während der Ăśsterreichische Publizist und Satiriker Karl Kraus Schillers Dramatik fortan generell ironisch als âPiscator-Dramenâ apostrophieren wollte,cite-ref-15[15] war die Debatte in den deutschen Feuilletons durch Zuspitzungen und suggestive Begrifflichkeiten wie âKlassikerschlafâ (Bernhard Diebold) oder âKlassikertodâ (Herbert Ihering) geprägt.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
Im Jahr 1927 kam es, nach einem durch die Inflation bedingten MitgliederrĂźckgang an der VolksbĂźhne und auf Grund von BefĂźrchtungen seitens des VolksbĂźhnen-Vorstands, dass Piscators Wirken die Ăźberparteiliche Ausrichtung der Besucherorganisation gefährde, zum ZerwĂźrfnis. Ausschlag fĂźr den Eklat gab eine aktuelle BezĂźge auslotende Inszenierung von Ehm Welks Drama Gewitter Ăźber Gottland, in der der bekannte Schauspieler Heinrich George den Claus StĂśrtebecker spielte. Der Vorstand warf Piscator vor, das StĂźck einer tendenziĂśs-politischen Umdeutung und einer provozierenden Darstellung âsozialer Revolutionâ unterzogen zu haben.
Die Piscator-BĂźhnen (1927â1931)
Nach diesem Eklat erĂśffnete Piscator 1927 sein eigenes Theater, die Piscator-BĂźhne, in einem 1100 Plätze fassenden Theatergebäude am Nollendorfplatz. In seinem Antrag auf die BĂźhnenkonzession hatte er als personelle Ausstattung eine Gruppe von â16 Einzeldarstellern, 1 Dramaturgen, 8 technischen und 5 kaufmännischen Angestelltenâcite-ref-18[18] geltend gemacht. FĂźr die Finanzierung des Unterfangens hatte Piscator den Berliner GroĂindustriellen Ludwig Katzenellenbogen gewinnen kĂśnnen.
Piscators Inszenierungen von zeitgenĂśssischen StĂźcken und Romanbearbeitungen wie Ernst Tollers Hoppla, wir leben! (1927) oder Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk nach Jaroslav HaĹĄek (1928) beeindruckten das Publikum durch ihren aufwendigen, an konstruktivistischen Prinzipien geschulten BĂźhnenapparat. Sie begrĂźndeten Piscators Ruf als beispielloser bĂźhnenästhetischer Innovator und trugen ihm eine WĂźrdigung als âeinzigem fähigen Dramatiker auĂer mirâ durch Bertolt Brecht ein.cite-ref-19[19]
Schon Piscators erste Regiearbeit an seiner eigenen BĂźhne, Ernst Tollers Hoppla, wir leben! Ăźber einen ehemaligen Revolutionär von 1918, der nach seiner Entlassung aus achtjähriger Festungshaft an der pragmatisch gewandelten Haltung ehemaliger Mitstreiter zerbricht, zeigte 1927 Piscators virtuose Ausgestaltung der BĂźhnenhandlung durch komplexe Medienarrangements. Zu den Film-, Ton- und BĂźhnenbildeffekten der Inszenierung zählten eine vierstĂśckige BĂźhne fĂźr die zahlreichen kurzen Szenen in den BĂźros der Ministerien oder den verschiedenen Hotelzimmern des dritten Aktes. Filmische Zwischenszenen oder Illustrationen wurden auf eine Leinwand in der BĂźhnenmitte projiziert. Der erste Akt begann mit einem Dokumentarfilm Ăźber die weltgeschichtlichen Ereignisse der Jahre, die die Hauptfigur im Gefängnis verbringen musste. Ein Titelsong von Walter Mehring in der Vertonung von Edmund Meisel kommentierte die StĂźckhandlung ironisch. Der Theaterkritiker Herbert Ihering urteilte: âEine phänomenale technische Phantasie hat Wunder geschaffen.âcite-ref-20[20]
Die Nutzung komplexer bĂźhnentechnischer Elemente wie Film- und Bildprojektionen, laufenden Bändern, Metallkonstruktionen oder FahrstĂźhlen geschah dabei Piscator zufolge in dramaturgischer, nicht illusionistischer Absicht.cite-ref-21[21] Piscators gewagte Bearbeitungen und seine bĂźhnentechnischen Mittel sollten politische und Ăśkonomische Analysen im Sinne des proklamierten Partei ergreifenden, âpolitischen Theatersâcite-ref-22[22] stĂźtzen.
Dem umfangreichen dramaturgischen Kollektiv der Piscator-BĂźhne gehĂśrten zeitweilig Bertolt Brecht, Egon Erwin Kisch, Leo Lania, Moshe Lifshits, Heinrich Mann, Walter Mehring und Erich MĂźhsam an. Als BĂźhnenbildner wirkten an der Piscator-BĂźhne George Grosz, John Heartfield und LĂĄszlĂł Moholy-Nagy, als Filmproduzenten und -monteure Curt Oertel und Svend Noldan sowie als Musiker Edmund Meisel und Franz Osborn. Hanns Eisler verfasste seine erste BĂźhnenmusik 1928 fĂźr Piscator. Viele bekannte Schauspieler traten an der Piscator-BĂźhne auf: Sybille Binder, Tilla Durieux, Ernst Deutsch, Paul Graetz, Alexander Granach, Max Pallenberg, Paul Wegener, Hans Heinrich von Twardowski und andere.
Angesichts der auĂerordentlich aufwendigen und kostspieligen Inszenierungen erzwang jedoch schon 1928 ein Konkursantrag der Berliner SteuerbehĂśrde die vorĂźbergehende SchlieĂung der Piscator-BĂźhne. Zwei WiedererĂśffnungen in den beiden Folgejahren fĂźhrten nicht zu der erhofften dauerhaften Konsolidierung. Im Jahr der Weltwirtschaftskrise 1929 erschien Piscators programmatische Schrift Das politische Theater, die anschaulich die bedeutenderen Inszenierungen des Theaterleiters Revue passieren lieĂ und seine Auffassung vom Theater als maĂgeblichem Mittel âin dem einsetzenden Prozess der geistigen Revolutionierungâcite-ref-23[23] entfaltete. Als erste von zahlreichen Ăbersetzungen erschienen 1930 eine Ăbertragung ins Spanische (El teatro polĂtico), 1931 ins Japanische (Sayoku Gekij) und 1932 ins Ukrainische (Politytschnyj teatr).
Auslandsprojekte, Emigration und RĂźckkehr (1931â1962)
Nach Liquiditätsproblemen ging Piscator 1931 in die Sowjetunion und produzierte dort unter anderem in der arktischen Hafenstadt Murmansk und an der ukrainischen Schwarzmeerkßste bei Odessa seinen einzigen Spiel- und Tonfilm Der Aufstand der Fischer (1934) nach einer Novelle von Anna Seghers.cite-ref-24[24] Der Film behandelt den Widerstand streikender Matrosen gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf den Schiffen des Reeders Bredel. Zu den Schlßsselszenen des Films zählt die Beerdigung des vom herbeigeeilten Militär getÜteten Streikfßhrers Kedennek. Die Beisetzung Kedenneks wird zum Fanal, und ein Aufstand der Kßstenfischer der gesamten Region hebt an. Fßr Aufsehen sorgte Piscator dadurch, dass er eine bewegte Kamera einsetzte, was von Sergej Eisenstein kritisiert und abgelehnt wurde.cite-ref-25[25]
Während einer Theaterkonferenz 1935 in Moskau, die von Piscator als Vorsitzendem eines internationalen Theaterbundes geleitet wurde, Ăźbermittelte ihm der britische Theaterreformer Edward Gordon Craig im Hotel Metropol Avancen von Propagandaminister Goebbels, nach Berlin zurĂźckzukehren und dort seine Arbeit wieder aufzunehmen. 1936 emigrierte der vom Erleben des Stalinismus ernĂźchterte Regisseur nach Denunziationen als Trotzkist und einem offenbar fremdenfeindlich motivierten Ăbergriffcite-ref-27[27] aus der Sowjetunion nach Frankreich.
Nach Beginn des Spanischen BĂźrgerkriegs rief er 1936 auf Einladung der demokratisch gewählten republikanischen Regierung in Katalonien zur Verteidigung der Demokratie und zum Kampf gegen die Putschisten auf. Unter Verweis auf seine Erfahrungen als Leiter eines Fronttheaters während des Ersten Weltkriegs forderte er, als Beitrag der KĂźnste zur Verteidigung der demokratischen Kultur in Katalonien und Spanien âWerke der kleinen Form an die Front [zu] bringenâ sowie âsatirische Gruppenâcite-ref-28[28] spielen zu lassen. Piscator selbst fĂźhrte vor Ort jedoch keine eigenen Produktionen aus.
Während der entbehrungsreichen Emigrationsjahre hatte Piscator eine weitere wichtige Begegnung, die 1937 zu einer zweiten Heirat fĂźhrte. Piscators erste Ehe mit der Schauspielerin Hildegard Jurczyk, die seit 1919 bestanden hatte, war um 1930 in Berlin einvernehmlich aufgelĂśst worden. In Salzburg hatte Piscator, aus der Sowjetunion kommend, bei Max Reinhardt die gebildete und wohlhabende Tänzerin Maria Ley kennengelernt. Ley hatte 1934 an der Sorbonne eine Dissertation Ăźber Victor Hugo verfasst. âErst vor kurzer Zeit hatte sie ihren Gatten Franz Deutsch verloren, Sohn eines der Direktoren der Berliner AEG, und nun wollten sie und Piscator heiraten.cite-ref-29[29] Brecht sollte einer der Trauzeugen sein. Von Anfang 1937, als er zu ihr in das Haus in Neuilly zog, bis zu seiner RĂźckkehr nach Deutschland im Jahr 1951 war sie Piscator bei all seinen Unternehmungen ein getreuer Partner.âcite-ref-30[30] In Frankreich entwickelte Piscator 1938 eine aufwändige BĂźhnenbearbeitung von Lew Nikolajewitsch Tolstois historischem Roman Krieg und Frieden, die er mit UnterstĂźtzung des US-Theaterproduzenten Gilbert Miller im Londoner West End und am New Yorker Broadway unterzubringen hoffte.
Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten (USA) einige Monate vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zerschlugen sich diese Pläne. Stattdessen wurde Piscator zwischen 1940 und 1951 zum Grßnder und Leiter einer Schauspielschule, des Dramatic Workshop an der New School for Social Research in New York (1949 AblÜsung von der New School). Die New School verschaffte zahlreichen prominenten Flßchtlingen aus Europa während des Zweiten Weltkriegs eine BeschäftigungsmÜglichkeit. 1947/48 war am Dramatic Workshop mit annähernd tausend Studenten und Studentinnen, von denen etwa ein Drittel ganztägig Kurse belegte, die Grenze der Auslastung erreicht. Zu den Mitarbeitern des Workshops gehÜrten unter anderem Stella Adler, Herbert Berghof, Lee Strasberg, Kurt Pinthus, Hans JosÊ Rehfisch, Carl Zuckmayer, Hanns Eisler, Erich Leinsdorf und Jascha Horenstein. Zu Piscators US-Studenten am Workshop zählten Beatrice Arthur, Harry Belafonte, Marlon Brando, Tony Curtis, Jack Garfein, Judith Malina, Walter Matthau, Rod Steiger, Elaine Stritch sowie der Dramatiker Tennessee Williams.
Im Anschluss an umfangreiche Voruntersuchungen des FBI zu einem Deportationsverfahren gegen Piscatorcite-ref-31[31] erhielt der Emigrant auf dem HĂśhepunkt der McCarthy-Ăra 1951 eine Vorladung durch das Komitee fĂźr unamerikanische Aktivitäten.cite-ref-32[32] Unter dem Eindruck aggressiver Presseberichte, die den Dramatic Workshop als Organisation kommunistischer âfellow travellersâ diffamiert hatten, und der Vorladung durch das Komitee kehrte Piscator unvermittelt nach Deutschland zurĂźck.
Nach ßber zwanzigjähriger Abwesenheit aus Deutschland war Piscator zunächst gezwungen, als Gastregisseur an zahlreichen Bßhnen in der Bundesrepublik und im westeuropäischen Ausland zu inszenieren. Vorhaben zur Grßndung einer Theaterakademie im Zusammenwirken mit dem Rektor der Universität Frankfurt Max Horkheimer verliefen 1953 erfolglos. Einen ersten Schritt zu einem Comeback bildete 1955 die Annahme von Piscators Bßhnenfassung von Lew Tolstois Krieg und Frieden am Schillertheater in West-Berlin, einer Inszenierung mit einem beispiellosen Publikumserfolg, jedoch mit einem vernichtenden Presse-Echo.cite-ref-33[33]
In den fĂźnfziger Jahren erhielt Piscator mehrere Ehrungen, darunter 1953 die Goethe-Plakette des Landes Hessen. Anlässlich seines 65. Geburtstags wurde ihm 1958 das GroĂe Bundesverdienstkreuz verliehen.
Intendanz an der Freien VolksbĂźhne (1962â1966)
1962 kam Piscator als Intendant an die Freie Volksbßhne in West-Berlin, die er als Nachfolger von Gßnter Skopnik bis zu seinem Tod leitete. 1963 fand deren Umzug vom Theater am Kurfßrstendamm, das bis dahin als Spielstätte genutzt worden war, in das eigene Theater der Freien Volksbßhne statt.
Piscators zentrales Anliegen bei seinen späten Inszenierungen war die Auseinandersetzung mit dem âallgemeine[n] Vergessen-Wollenâcite-ref-34[34] und der defizitären deutschen Erinnerungskultur in Anbetracht des Holocaust.
Diese Spielplanausrichtung fand wirksam ihren Niederschlag in seinen Inszenierungen der UrauffĂźhrungen von Rolf Hochhuths âchristlichem Trauerspielâ Der Stellvertreter (UrauffĂźhrung am 20. Februar 1963) und Peter Weissâ minimalistischem TheaterstĂźck zum Auschwitz-Prozess Die Ermittlung (Ring-UrauffĂźhrung am 19. Oktober 1965). Mit stark voneinander abweichenden dokumentarischen Ansätzen warfen beide Theatertexte die politisch-moralische Frage nach Verantwortung, Schuld und Unrechtsbewusstsein des Individuums in der Diktatur auf und fĂźhrten deutschlandweit und international zu weit gefächerten geschichtspolitischen Auseinandersetzungen.
Schon Piscators dritte Regiearbeit an der Freien VolksbĂźhne, Rolf Hochhuths Der Stellvertreter, wurde zu einem Aufsehen erregenden BĂźhnenereignis. Der Theaterkritiker Henning Rischbieter resĂźmierte, Der Stellvertreter zeige die Fähigkeit des Theaters, âdirekte politische Wirkungen zu zeitigen. Allen (berechtigten) ästhetischen Einwänden entgegen hat es durch seine Fragestellung und die leidenschaftliche Anklage, die der Autor durch seine Hauptfigur ausspricht, eine erregte Diskussion ausgelĂśst, die Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche beeinflusst und die Zeitgeschichtsschreibung zur Auseinandersetzung mit einem vorher wenig beachteten, ja tabuisierten Thema genĂśtigt: Wie hat sich die katholische Kirche und ihr damaliges Oberhaupt, Papst Pius XII., zum nationalsozialistischen Massenmord an den europäischen Juden verhalten?âcite-ref-35[35]
Zwischen dem Erstkontakt mit dem Text, der Piscator im FrĂźhjahr 1962 vorlag, und der Inszenierung verstrich ein ganzes Jahr. Piscators sorgfältig und von langer Hand vorbereitete Inszenierung fĂźhrte dazu, dass der befĂźrchtete Skandal â zumindest in Berlin â ausblieb. International provozierte Der Stellvertreter dennoch âleidenschaftliche publizistische Auseinandersetzungen, Ăśffentliche Massendemonstrationen, parlamentarische Debatten, auĂenpolitische Verstimmungen und diplomatische Interventionen.âcite-ref-36[36] Der Regisseur der Berliner UrauffĂźhrung hatte den StĂźcktext um die Hälfte gekĂźrzt, die Anzahl der Akteure auf die Hälfte reduziert und die Handlungsstränge des thematisch vielschichtigen Werks ganz auf Papst Pius XII. und sein Verhalten in Bezug auf den Holocaust konzentriert. Die Berliner Kommentatoren lobten das Schauspiel als eines der bedeutendsten und erregendsten Ereignisse des deutschsprachigen Theaters der letzten Jahre.
FĂźr das Auschwitz-Oratorium Die Ermittlung von Peter Weiss vereinbarte Piscator fĂźr den 19. Oktober 1965 mit dem Suhrkamp-Theaterverlag eine Ring-UrauffĂźhrung, an der sich vierzehn west- und ostdeutsche Theater sowie die Royal Shakespeare Company in London beteiligten. Das StĂźck thematisierte den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 mit den Mitteln des dokumentarischen Theaters. In der West-Berliner Inszenierung, die im Fokus der bundesweiten Aufmerksamkeit stand und fĂźr die der italienische Komponist Luigi Nono eine BĂźhnenmusik geschaffen hatte,cite-ref-37[37] lieĂ Piscator die Zuschauer aus der Perspektive der Ăberlebenden auf das Prozessgeschehen und auf die Angeklagten blicken. Im Anschluss an die Ring-UrauffĂźhrung fand das StĂźck in den Jahren 1965 bis 1967 zunächst Eingang in die Spielpläne von Theatern in Amsterdam, Moskau, New York, Prag, Stockholm und Warschau.cite-ref-38[38]
Mit seiner letzten Inszenierung konnte Piscator nicht an die UrauffĂźhrungs-Erfolge der vorangegangenen Jahre anknĂźpfen. Der Aufstand der Offiziere nach einem Roman von Hans Hellmut Kirst wurde am 2. März 1966 uraufgefĂźhrt, doch der Autor hatte sein Material dramaturgisch nicht bewältigt. Die Schauspieler Ernst Deutsch und Wolfgang Neuss waren schon vorzeitig aus der Probenarbeit ausgestiegen, und auch die Presse reagierte vernichtend. Piscator war noch während der Proben erkrankt und fuhr anschlieĂend zur Erholung in ein Sanatorium am Starnberger See.cite-ref-39[39] Nach einer Notoperation an seiner entzĂźndlich veränderten Gallenblase starb Piscator am 30. März 1966 in Starnberg.
Piscators Berliner Ehrengrab befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in der Abt. XX-W-688/690.
Theatergeschichtliche Bedeutung
Programmatik und Impulse
Zahlreiche bĂźhnentechnische Neuerungen gehen auf Piscators Theaterpraxis in der Weimarer Republik seit 1925 zurĂźck, darunter der ausgiebige Einsatz kommentierender Bild- und Textprojektionen, die Einspielung von Filmdokumenten als âlebende Kulisseâ auf Gazeschleier oder Leinwandcite-ref-40[40] sowie die Nutzung aufwändiger GerĂźstkonstruktionen (SimultanbĂźhnen in Kombination mit DrehbĂźhne, Laufbändern, Rolltreppen oder FahrstuhlbrĂźcken), die Piscator durch seinen experimentierfreudigen BĂźhnenarchitekten Traugott MĂźller umsetzen lieĂ. MĂźllers Maxime: âSeit Jahren arbeite ich an der Abschaffung des BĂźhnenbildes.âcite-ref-41[41]
Mit der Entwicklung der politischen Revue Ăźbte Piscator maĂgeblichen Einfluss auf das politische Massentheater der Weimarer Republik aus. Mit dem Organisieren seiner Textvorlagen nach dem Prinzip maximaler Kontraste und unerwarteter Anordnungen erzielte er scharfe politisch-satirische Effekte und nahm die Kommentierungsformen des epischen Theaters vorweg. Vom epischen Theater Brechts grenzte er sich durch seine, den Zuschauer in das szenische Geschehen integrierende Regieauffassung ab. Bei Piscator sollten die ErschĂźtterung und die Aktivierung der Zuschauer miteinander einhergehen:
Aus Mangel an Phantasie erleben die meisten Menschen nicht einmal ihr eigenes Leben, geschweige denn ihre Welt. Sonst mßsste die Lektßre eines einzigen Zeitungsblattes genßgen, um die Menschheit in Aufruhr zu bringen. Es sind also stärkere Mittel nÜtig. Eins davon ist das Theater.cite-ref-42[42]
Um sein immersives, den Zuschauer zu aktiver Teilnahme am BĂźhnengeschehen herausforderndes Theaterkonzept auch baulich realisieren zu kĂśnnen, entwarf Piscator 1927 gemeinsam mit Walter Gropius, dem GrĂźnder der avantgardistischen Kunsthochschule Bauhaus, das Projekt eines âTotaltheatersâ, das der Aufhebung der räumlichen Trennung zwischen Schauspielern und Zuschauern und der AblĂśsung der Tiefen- und GuckkastenbĂźhne galt.cite-ref-43[43] Angesichts der erfolglosen Suche nach einem potenten finanziellen FĂśrderer fĂźr das monumentale Totaltheater-Projekt blieb die angestrebte unmittelbare Identität von BĂźhne und Publikum eine unvollendete Theatervision Piscators. Durch seine Tätigkeit als Regisseur an eigens fĂźr den Dramatic Workshop gegrĂźndeten kleinen New Yorker RepertoirebĂźhnen (Studio Theatre, President Theatre, Rooftop Theatre) und als Theaterpädagoge im US-Exil beeinflusste Piscator später den âAufstieg und die Anerkennung des âOff-Broadwayââ und das amerikanische Experimentaltheater (wie zum Beispiel das Living Theatre)cite-ref-44[44], gegrĂźndet von seiner Studentin und Assistentin Judith Malina, die noch The Piscator Notebook Ăźber die Arbeit in dieser Zeit herausgab.cite-ref-45[45]
Piscator richtete sich gegen tradierte Vorstellungen vom hermetischen und unveränderlichen Kunstwerk an sich. In seinen Inszenierungen wurde die normative autonome BĂźhnenästhetik, die die Inszenierungspraxis deutscher BĂźhnen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt hatte, Ăźberwunden. Piscators Theaterkonzeption versuchte man in den grĂśĂeren Bezugsrahmen einer anti-idealistischen Materialästhetik einzuordnen. Der Theater- und Literaturwissenschaftler Werner Mittenzwei beschrieb deren Anhänger als Wegbereiter eines tiefgreifenden Funktionswechsels der Kunst in Abgrenzung von einer autonomen Ăsthetik des reinen KunstschĂśnen. Die âMaterialästhetenâ der späten Weimarer Republik verstanden ältere kĂźnstlerische Stoffe als wandelbares und an aktuelle Herausforderungen anzupassendes Material. Sie arbeiteten konventionelle Vorlagen um in der Absicht, auf eine grundlegende Umgestaltung gesellschaftlicher Strukturen hinzuwirken, oder erarbeiteten sie neu. Sie strebten neue Rezeptionsformen an und wollten die Betrachter aktivieren und als Mitproduzenten aufwerten. Dem gesellschaftlichen Aussagewert des Kunstwerks sollte Vorrang vor dessen rein ästhetischem Erlebniswert gebĂźhren.cite-ref-46[46]
Die Programmatik der Materialästhetik schlug sich bei Piscator unter anderem auch in der Praxis der szenischen Bearbeitung von Romanen (von Jaroslav Haťek, Theodore Dreiser, Theodor Plievier, Robert Penn Warren und anderen) und historischen Stoffen nieder. Piscators inhaltlich mehrfach ßberarbeitete Bßhnenfassung von Lew Tolstois historischem Roman Krieg und Frieden wurde seit 1955 in mehrere Sprachen ßbertragen und in 16 Ländern aufgefßhrt.cite-ref-47[47] In der Bundesrepublik erlebte Piscators interventionistisches Theater eine späte zweite Blßte. Mit Inszenierungen von Urauffßhrungsstoffen, die durch ein Engagement zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit (Hochhuth, Weiss) und die Kritik an einer atomaren Aufrßstung (Heinar Kipphardts In der Sache J. Robert Oppenheimer, 1964) geprägt waren, wurde er zu einem Initiator und Impulsgeber fßr das Gedächtnis- und Dokumentartheater.
EinflĂźsse und Mitstreiter
Die Zeit der Weimarer Republik war eine der schĂśpferischsten und experimentierfreudigsten Epochen der deutschen Geschichte. Piscator bewegte sich in einem von der Suche nach neuen Theateransätzen, der Verschmelzung verschiedener Kunst- und Wahrnehmungsformen (Synästhesie) und lebhaften kĂźnstlerisch-politischen Debatten geprägten Umfeld. Punktuelle Ăbereinstimmungen Piscators im Hinblick auf Einzelaspekte wie die politische Wirkungsabsicht, die ausgiebige Nutzung der BĂźhnenmaschinerie oder das Zielpublikum bestanden mit den Theateransätzen verschiedener deutschsprachiger Kollegen.
Der Ăśsterreichische Theaterunternehmer Max Reinhardt, der das GroĂe Schauspielhaus in Berlin mit 5000 Plätzen bespielte und als Antipode Piscators galt, beeindruckte ein Massenpublikum durch ähnliche groĂräumige Arrangements vor einem Rundhorizont und durch die ausgiebige Nutzung der BĂźhnenmaschinerie, durch das Spiel auf einer ArenabĂźhne und einer riesigen DrehbĂźhne. Der vormalige BĂźhnenexpressionist Leopold Jessner galt ebenfalls als Vertreter eines, wenngleich moderateren âpolitischen Theatersâ der Weimarer Republik. Als Leiter des PreuĂischen Staatstheaters trat Jessner mit Inszenierungen wie Schillers Wilhelm Tell hervor, in denen er eine reduktionistische StufenbĂźhne zum Hintergrund eines leidenschaftlichen symbolischen Bekenntnisses zur jungen Republik machte. Kleinere BĂźhnen wie Karlheinz Martins âTribĂźneâ wollten im Gefolge des Expressionismus â ähnlich den ersten BĂźhnen des frĂźhen Piscator â einem proletarischen Publikum neue Kultursphären erschlieĂen.
Vielfach wurden Ăbereinstimmungen Piscators mit russischen Theater- und Filmregisseuren im Hinblick auf die Nutzung von Film auf der BĂźhne und der fotografischen Montage bei Eisenstein, der Segment-Globus-BĂźhne bei Meyerhold oder der Konfrontation von Darsteller und Marionette bei Majakowski (sowie bei dem Briten Edward Gordon Craig) ausgemacht. Eine Vor-Ort-Begegnung mit den Arbeiten der sowjetischen Theateravantgarde im Zusammenhang mit einer ersten Reise Piscators in die Sowjetunion fand hingegen erst im September 1930 statt.cite-ref-48[48] Die in den Arbeiten von Kollegen angelegten Ideen fanden sich, häufig in verdichteter Form, bei Piscator wieder, indem er diese entweder zeitgleich selbst entwickelt hatte oder aber als Anregung von auĂen in seine Theaterkonzeption integrierte und umfunktionierte.cite-ref-49[49]
Besser nachweisbar als die mittelbaren EinflĂźsse anderer avantgardistischer Theaterpraktiker seiner Zeit auf Piscator sind die unmittelbaren Beiträge zahlreicher Mitarbeiter zu seinen Inszenierungen. Ganz im Sinne von Piscators Verständnis des Inszenierens als kollektivem Arbeitsprozess stellten die Produktionen der Piscator-BĂźhne das Ergebnis einer politisch-ästhetisch motivierten Gemeinschaftsanstrengung unter Leitung des Regisseurs als primus inter pares dar. Schon an die Stelle des Dramaturgen trat an der Piscator-BĂźhne ein grĂśĂeres âdramaturgisches Kollektivâ: âEin ganzes Team von Schriftstellern sollte das literarische Programm betreuen und die einzelnen Texte der StĂźcke prĂźfen.âcite-ref-50[50]
Dem von Felix Gasbarra und Leo Lania geleiteten Kollektiv gehĂśrten als Mitarbeiter Walter Mehring, Bertolt Brecht, Erich MĂźhsam, Moshe Lifshits, Franz Jung und Alfred Wolfenstein an. Alfred DĂśblin, Kurt Tucholsky, Johannes R. Becher und der Filmkritiker BĂŠla BalĂĄzs wurden von Fall zu Fall hinzugezogen. Ăber den Kreis der dramaturgischen Experten hinaus wirkten wechselnde BĂźhnenbildner, KostĂźmgestalter, Choreographen, Komponisten und Schauspieler an den Erfolgen der Piscator-BĂźhne mit. Im Extremfall war es mĂśglich, dass sich eine einzelne Person in wechselnden Funktionen als Autor, Dramaturg, Vorleser und Hauptdarsteller verausgabte (so geschehen im Fall von Theodor Plievier bei Des Kaisers Kulis 1930 am Lessingtheater). Die Fruchtbarkeit der gemeinschaftlichen Produktionsweise zeigte sich noch in Piscators späten Arbeiten, in denen die enge Kooperation mit Autoren wie Rolf Hochhuth oder Peter Weiss, BĂźhnenbildern wie Hans-Ulrich SchmĂźckle oder Komponisten wie Boris Blacher und Luigi Nono vereinzelt ähnlich intensive Formen annahm wie in den zwanziger Jahren.
Kulturpolitische Aktivitäten und Reminiszenzen
Als Theaterschaffender, fĂźr den ästhetische Form und politischer Anspruch prinzipiell zusammenfielen, unternahm Piscator zeitlebens auch zahlreiche Initiativen im Bereich der KulturfĂśrderung und der Theaterpädagogik (Mitglied der Schriftstellervereinigung âGruppe 1925â, MitbegrĂźnder des âVolksverbandes fĂźr Filmkunstâ, Einrichtung des âStudiosâ an der Piscator-BĂźhne, Konzeption eines âDeutschen Staatstheatersâ in Engels etc.). Er war Mitinitiator und Präsident der 1956 in Hamburg gegrĂźndeten Deutschen Akademie der Darstellenden KĂźnste, Präsident des Berliner Landesverbandes des Deutschen BĂźhnenvereins, Mitglied der Abteilung Darstellende Kunst der Akademie der KĂźnste Berlin (West), korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der KĂźnste Berlin (Ost) sowie seit 1959 Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik.
Auf Anregung seiner zweiten Ehefrau Maria Ley wird in New York seit 1986 jährlich der âErwin Piscator Awardâ an prominente Theater- und Filmschaffende sowie weitere KĂźnstler vergeben (bislang unter anderem an Giorgio Strehler, Robert Wilson und Peter Zadek).cite-ref-51[51] Ausrichter ist die Non-Profit-Organisation âElysium â Between Two Continentsâ. Neben dem deutsch-amerikanischen Schauspielpreis erinnern Stätten in mehreren Ländern an Piscators Bedeutung fĂźr das europäische Theater, darunter die 1969 als âErwin-Piscator-Hausâ erĂśffnete Stadthalle Marburg, das 1972 gegrĂźndete Teatro Erwin Piscator in der sĂźditalienischen Stadt Catania, eine 1980 eingeweihte Skulptur des schottischen Bildhauers Eduardo Paolozzi nĂśrdlich des Londoner Stadtzentrums (rund 40 Jahre später von der Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Network Rail entfernt)cite-ref-52[52] sowie mehrere Gedenktafeln unter anderem in Berlin. Anlässlich des 100. Geburtstags wurde 1993 eine LandesstraĂe in Piscators Geburtsort Ulm (Greifenstein) nach dem Regisseur benannt.cite-ref-53[53] Im 50. Todesjahr wurde dem Regisseur daselbst ein Denkmal gesetzt.cite-ref-54[54] Kurz vor Piscators 130. Geburtstag erfolgte die Benennung des Veranstaltungsraums im Siegfried-Nestriepke-Haus der Publikumsorganisation âKulturvolk/Freie VolksbĂźhne Berlinâ in Berlin-Wilmersdorf zum âPiscator Saalâ.
Piscators Leben, seine Theaterarbeit und sein in der Emigration entstandener Spielfilm sind Gegenstand verschiedener filmischer Dokumentationen, szenischer Textcollagen, kĂźnstlerischer Installationen sowie einer musikalischen Arbeit. Die 17-minĂźtige Komposition Gustav Metzger as Erwin Piscator, Gera, January 1915 des in Hamburg ansässigen Soloprojekts âBlack To Commâ (Album Oocyte Oil & Stolen Androgens, 2020) enthält eine Rezitation aus Jaroslav HaĹĄeks Roman Der brave Soldat Schwejk, auf die eine Passage aus dem ersten Kapitel von Piscators Hauptwerk Das Politische Theater folgt, in der der Theaterregisseur seine Einberufung zum Kriegsdienst schildert.
Umfangreiche Dokumente zu Leben und Wirken Piscators bewahren das Archiv der Akademie der KĂźnste in Berlin (seit 1966/1971) sowie die Southern Illinois University Carbondale (seit 1971) auf. Der Verbleib des grĂśĂten Teils der Originale der umfangreichen Piscator-TagebĂźcher der 1950er und 1960er Jahre ist, bis auf wenige Exemplare, die das Archiv der Akademie der KĂźnste verwahrt, bislang ungeklärt.
Inszenierungen
⢠1924: Revue Roter Rummel (Berliner Säle, 22. November 1924)
⢠1925: Trotz alledem! Historische Revue (GroĂes Schauspielhaus Berlin, 12. Juli 1925)
⢠1926: Alfons Paquet, Sturmflut (Volksbßhne, 20. Februar 1926)
⢠1926: Paul Zech, Das trunkene Schiff (Volksbßhne Berlin, 21. Mai 1926)
⢠1927: Ehm Welk, Gewitter ßber Gottland (Volksbßhne, 23. März 1927)
⢠1927: Alexei Nikolajewitsch Tolstoi und Pawel Schtschegolew, Rasputin, die Romanows, der Krieg und das Volk, das gegen sie aufstand (Piscator-Bßhne, 10. November 1927)
⢠1928: Max Brod und Hans Reimann, Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk (Piscator-Bßhne, 23. Januar 1928)
⢠1928: Leo Lania, Konjunktur (Piscator-Bßhne im Lessingtheater (Berlin), 8. April 1928)
⢠1929: Walter Mehring, Der Kaufmann von Berlin (Zweite Piscator-Bßhne, 6. September 1929)
⢠1955: Lew Tolstoi, Krieg und Frieden (Schillertheater Berlin, 20. März 1955)
⢠1957: Friedrich Schiller, Die Räuber (Nationaltheater Mannheim, 13. Januar 1957)
⢠1962: Bertolt Brecht, Flßchtlingsgespräche (Mßnchner Kammerspiele, Urauffßhrung, 15. Februar 1962)
⢠1962: Gerhart Hauptmann, Atriden-Tetralogie (Theater am Kurfßrstendamm, 7. Oktober 1962, kßrzende Bearbeitung von Erwin Piscator)
⢠1963: Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter (Theater am Kurfßrstendamm, 20. Februar 1963)
⢠1963: Romain Rolland Robespierre (Freie Volksbßhne Berlin, 1. Mai 1963, Bßhnenbearbeitung von Erwin Piscator und Felix Gasbarra)
⢠1964: Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer (Freie Volksbßhne Berlin, 11. Oktober 1964)
⢠1965: Peter Weiss, Die Ermittlung (Freie Volksbßhne Berlin, 19. Oktober 1965)
Film, Fernsehen, HĂśrspiel
Spiel- und Fernsehfilme
⢠Der Aufstand der Fischer nach Anna Seghers (UdSSR: Meschrabpom 1934).
⢠Im Räderwerk nach Jean-Paul Sartre (HR, 1956)
HĂśrspiele
⢠Gas von Georg Kaiser (HR, 1958)
⢠GÜttinger Kantate von Gßnther Weisenborn (SDR, 1958)
⢠Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth (HR, 1963)cite-ref-57[57]
Fernsehdokumentationen Ăźber Piscator
⢠Ein Mann namens Pis. Drehbuch & Regie: Rosa von Praunheim. 1991.
⢠Porträt des berßhmten Theaterregisseurs Erwin Piscator. Drehbuch: Ulf Kalkreuth. ORB, Potsdam 1993.
⢠Der Revolutionär â Erwin Piscator auf der WeltbĂźhne. Regie: Barbara Frankenstein, Rainer K. G. Ott. SFB, Berlin 1988.
⢠WeltbĂźhne Berlin â die zwanziger Jahre. Drehbuch: Irmgard v.z. MĂźhlen. Chronos, Berlin 1991 (kurze Originalaufnahme von Piscator 1927).
Literatur
Schriften
⢠Erwin Piscator: Briefe. Band 1: Berlin â Moskau 1909â1936. Hrsg. von Peter Diezel. B&S Siebenhaar, Berlin 2005, ISBN 3-936962-14-6.
⢠Erwin Piscator: Briefe. Band 2: Paris, New York 1936â1951. Hrsg. von Peter Diezel. B&S Siebenhaar, Berlin 2009.
⢠Band 2.1: Paris 1936â1938/39. ISBN 978-3-936962-57-4.
⢠Band 2.2: New York 1939â1945. ISBN 978-3-936962-58-1.
⢠Band 2.3: New York 1945â1951. ISBN 978-3-936962-70-3.
⢠Erwin Piscator: Briefe. Band 3 Hrsg. von Peter Diezel. B&S Siebenhaar, Berlin 2011.
⢠Band 3.1: Bundesrepublik Deutschland, 1951â1954. ISBN 978-3-936962-83-3.
⢠Band 3.2: Bundesrepublik Deutschland, 1955â1959. ISBN 978-3-936962-84-0.
⢠Band 3.3: Bundesrepublik Deutschland, 1960â1966. ISBN 978-3-936962-85-7.
⢠Erwin Piscator: Theater, Film, Politik. Ausgewählte Schriften. Hrsg. von Ludwig Hoffmann. Henschel, Berlin 1980, DNB 800345460.
⢠Erwin Piscator: Zeittheater. Das politische Theater und weitere Schriften. 1915â1966. Ausgewählt und bearbeitet von Manfred Brauneck und Peter Stertz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986, ISBN 3-499-55429-1.
⢠Krieg und Frieden. Nach dem Roman von Leo Tolstoi fßr die Bßhne nacherzählt und bearbeitet von Alfred Neumann, Erwin Piscator und Guntram Prßfer. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1955, DNB 453564526.
Sekundärliteratur
⢠Ullrich Amlung (Hrsg.): âLeben â ist immer ein Anfang!â Erwin Piscator 1893â1966. Der Regisseur des politischen Theaters. Jonas, Marburg 1993, ISBN 3-89445-162-9.
⢠Knut Boeser, Renata Vatkovå (Hrsg.): Erwin Piscator. Eine Arbeitsbiographie in 2 Bänden (= Reihe Deutsche Vergangenheit, Band 11). FrÜlich und Kaufmann / Edition Hentrich, Berlin 1986.
⢠Band 1: Berlin 1916â1931. ISBN 3-88725-215-2
⢠Band 2: Moskau-Paris-New York-Berlin 1931â1966. ISBN 3-88725-229-2.
⢠Franz-Josef Deiters: â'das Theater [...] in den Dienst der revolutionären Bewegung gestellt'. Erwin Piscators Modell eines Agitations- und Propagandatheatersâ. In: Franz-Josef Deiters: Verweltlichung der BĂźhne? Zur Mediologie des Theaters der Moderne. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2019. ISBN 978-3-503-18813-0, S. 103â131.
⢠Heinrich Goertz: Erwin Piscator in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1974, ISBN 978-3-499-50221-7 (frßher: ISBN 3-499-50221-6)
⢠Hermann Haarmann: Erwin Piscator und die Schicksale der Berliner Dramaturgie. Nachträge zu einem Kapitel deutscher Theatergeschichte. Wilhelm Fink, Mßnchen 1991, ISBN 3-7705-2685-6.
⢠Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar. Nora, Berlin 2007, ISBN 978-3-86557-105-2.
⢠Judith Malina: The Piscator Notebook. Routledge Chapman & Hall, London 2012, ISBN 978-0-415-60073-6.
⢠Klaus Wannemacher: Erwin Piscators Theater gegen das Schweigen: politisches Theater zwischen den Fronten des Kalten Kriegs (1951â1966) (= Theatron, Band 42), Niemeyer, TĂźbingen 2004, ISBN 978-3-484-66042-7 (Dissertation Universität Heidelberg 2002, VIII, 287 Seiten, Illustrationen; unter dem Titel Piscator und die unbewältigte Vergangenheit).
⢠Klaus Wannemacher: Der Amnesie des Publikums begegnen. Nachkriegstheater als Inkubator des âAufarbeitungsâ-Diskurses. In: Stephan A. Glienke, Volker Paulmann und Joachim Perels (Hrsg.): Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgesellschaft im langen Schatten des Nationalsozialismus. Wallstein, GĂśttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0249-5, S. 263â291.
⢠Carl Wege: Piscator, Erwin Friedrich Max. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 478â480 (deutsche-biographie.de).
⢠John Willett: Erwin Piscator. Die ErÜffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-518-10924-3.
⢠Thea Kirfel-Lenk: Erwin Piscator im Exil in den USA. Henschelverlag, Berlin, 1984
⢠Thea Kirfel-Lenk: âĂndere die Welt: Sie braucht es.â Erwin Piscator und sein internationales Theaterkollektiv. In: Berliner Begegnungen. Ausländische KĂźnstler in Berlin 1918 bis 1933. Dietz Verlag Berlin, 1987, S. 312â324
Weblinks
Commons
: Erwin Piscator
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Commons
: Erwin Piscator
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⢠Literatur von und ßber Erwin Piscator im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Werke von und ßber Erwin Piscator in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Suche nach Erwin Piscator im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin â PreuĂischer Kulturbesitz
⢠erwin-piscator.de, Webseite zu Piscator samt âAnnotierter Erwin Piscator-Bibliographieâ mit Ăźber 1300 Titeleinträgen
⢠Erwin-Piscator-Center im Archiv der Akademie der Kßnste, Berlin
⢠Erwin Piscator Papers der Morris Library, Southern Illinois University
⢠Filmsequenzen der Piscator-Inszenierungen 1927â29 (filmportal.de)
⢠Elysium Between Two Continents, Stifter des Erwin Piscator Award
⢠Erwin Piscator auf Kßnste im Exil
⢠Interview mit Erwin Piscator. In: ardmediathek.de. 18. April 1962, abgerufen am 21. März 2022.
⢠Piscator, Erwin. Hessische Biografie. (Stand: 7. November 2025). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
cite-note-11. â Martina ThĂśne: Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Das dramatische Werk von Alfons Paquet. Peter Lang, Frankfurt a. M. u. a. 2005, S. 318.
cite-note-22. â Heinrich Goertz: Erwin Piscator in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1974, ISBN 3-499-50221-6, S. 140. â Anders dagegen Walther Baumann: Die Herborner und die StraĂburger Fischer. Piscator. In: Mitteilungsblatt des Geschichtsvereins Herborn e. V. 26. Jg. (April 1978), Nr. 2, S. 23â30.
cite-note-33. â Hans-JĂśrg Grell: Erwin Piscator 1893â1966. Stationen seines Lebens â Stichworte zu Werk und Wirkung. In: âLeben â ist immer ein Anfang!â Erwin Piscator 1893â1966. Der Regisseur des politischen Theaters. Hrsg. von Ullrich Amlung in Zusammenarbeit mit der Akademie der KĂźnste, Berlin. Jonas, Marburg 1993, S. 13.
cite-note-44. â Brief Erwin Piscators an Antonie und Carl Piscator, 24. April 1914, In: Erwin Piscator. Die Briefe. Band 1: Berlin â Moskau (1909â1936). Hrsg. von Peter Diezel. Bostelmann und Siebenhaar, Berlin 2005, S. 40.
cite-note-55. â Artur Kutscher: Der Theaterprofessor. Ein Leben fĂźr die Wissenschaft vom Theater. Ehrenwirth, MĂźnchen 1960, S. 83.
cite-note-66. â Brief Erwin Piscators an Antonie und Carl Piscator, 16.II.1917, in: Erwin Piscator. Die Briefe. Band 1. Hrsg. von Peter Diezel. Berlin 2005, S. 74.
cite-note-77. â Siehe den Nachdruck in: Erwin Piscator. Zeittheater. âDas politische Theaterâ und weitere Schriften von 1915â1966. Ausgewählt und bearbeitet von Manfred Brauneck und Peter Stertz. Rowohlt, Reinbek 1986, S. 449â454.
cite-note-88. â Wolfgang Petzet: Theater. Die MĂźnchner Kammerspiele 1911â1972. MĂźnchen 1973, S. 136f.
cite-note-99. â Lothar Uebel: Hasenheide 13. Hrsg. von der Sammlung WemhĂśner. Jovis, Berlin 2020, S. 61â66.
cite-note-1010. â Paquet hatte sich dabei an der im 18. Jahrhundert entstandenen Gattung des âdramatischen Romansâ (Dialog-Romans) sowie an Lion Feuchtwangers Drama Thomas Wendt. Ein dramatischer Roman (1919) orientiert.
cite-note-1111. â Alfred DĂśblin in: Leipziger Tagblatt, Nr. 145, 11. Juni 1924, zitiert nach: Erwin Piscator: Das Politische Theater. Adalbert Schultz, Berlin 1929, S. 58. Vgl. dazu Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar. Nora, Berlin 2007, S. 116 f.
cite-note-1212. â Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar. Berlin 2007, S. 109.
cite-note-1313. â Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar. Berlin 2007, S. 162.
cite-note-1414. â Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar. Berlin 2007, S. 165.
cite-note-1515. â Karl Kraus: Rechenschaftsbericht. In: Die Fackel, Heft 795â799, S. 1â51. Zitiert nach: Karl Kraus: Vor der Walpurgisnacht. Volk und Welt, Berlin 1971, S. 355.
cite-note-1616. â Siehe Herbert Ihering: Reinhardt, Jessner, Piscator oder Klassikertod? Ernst Rowohlt, Berlin 1929. â Vgl. Erwin Piscator: Das Politische Theater. Adalbert Schultz, Berlin 1929, S. 85â91.
cite-note-1717. â Piscator inszenierte Schillers Schauspiel Die Räuber später noch zweimal (Nationaltheater Mannheim, 13. Januar 1957 und Städtische BĂźhnen Essen, 24. Februar 1959)
cite-note-1818. â Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar. Berlin 2007, S. 203f.
cite-note-1919. â Bertolt Brecht. Schriften 2. 1933â1942. Berlin und Weimar, Frankfurt 1993 (Bertolt Brecht. Werke. GroĂe kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 22.2). S. 763.
cite-note-2020. â Herbert Ihering: âHoppla, wir leben!â Piscator-BĂźhne. In: Berliner BĂśrsen-Courier, Nr. 414, 5. September 1927, zitiert nach: Herbert Ihering. Theater in Aktion. Kritiken aus drei Jahrzehnten. 1919â1931. Hrsg. von Edith Krull und Hugo Fetting. Argon, Berlin 1987, S. 282â285, hier S. 284.
cite-note-2121. â John Willett: Erwin Piscator. Die ErĂśffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1982, S. 69â73, hier: S. 70.
cite-note-2222. â Zum Begriff des âpolitischen Theatersâ siehe: Peter Langemeyer: âPolitisches Theaterâ: Versuch zur Bestimmung eines ungeklärten Begriffs â im AnschluĂ an Erwin Piscators Theorie des politischen Theaters. In: Aspekte des politischen Theaters und Dramas von CalderĂłn bis Georg Seidel: deutsch-franzĂśsische Perspektiven. Hrsg. von Horst Turk und Jean-Marie Valentin in Verbindung mit Peter Langemeyer. Bern, Berlin u. a. 1996, S. 9â46.
cite-note-2323. â Brief Erwin Piscators an Lasar M. Kaganowitsch, 15. Dezember 1932, in: Erwin Piscator. Die Briefe. Band 1. Hrsg. von Peter Diezel. Berlin 2005, S. 246.
cite-note-2424. â Dazu ausfĂźhrlicher: Jeanpaul Goergen: Wosstanije rybakow (âAufstand der Fischerâ). UdSSR, 1934. Ein Film von Erwin Piscator. Eine Dokumentation. Berlin 1993; Hermann Haarmann (Hrsg.): Erwin Piscator am Schwarzen Meer. Briefe, Erinnerungen, Photos. Bostelmann & Siebenhaar, Berlin 2002; Rainhard May, Hendrik Jackson (Hrsg.): Filme fĂźr die Volksfront. Erwin Piscator, Gustav von Wangenheim, Friedrich Wolf â antifaschistische Filmemacher im sowjetischen Exil. Berlin 2001.
cite-note-2525. â Klaus Gleber: Theater und Ăffentlichkeit. Produktions- und Rezeptionsbedingungen politischen Theaters am Beispiel Piscators 1920â1966. Lang, Frankfurt am Main 1979, S. 302, 539.
cite-note-2626. â Erwin Piscators Theaterschaffen in Russland in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. August 2018, S. 12.
cite-note-2727. â Bei einer Silvesterfeier wurde Piscator in den frĂźhen Morgenstunden des 1. Januar 1936 im Moskauer Hotel Metropol von mehreren russischen Gästen nach einem Disput niedergeschlagen. Piscator beklagte anschlieĂend âderartige Ausschreitungen gegen Ausländerâ, da Zeugen des Vorfalls ausgesagt hatten, man âbrauche[n] diese Ausländer Ăźberhaupt nichtâ. Siehe Briefe Julia I. Annenkowas an Wilhelm Pieck, 8. September 1936, und Erwin Piscators an Genrich G. Jagoda, 4. Januar 1936. In: Peter Diezel (Hrsg.): Erwin Piscator. Die Briefe. Band 1. B&S Siebenhaar, Berlin 2005, S. 409 f. und S. 466.
cite-note-2828. â Erwin Piscator. Theater, Film, Politik. Ausgewählte Schriften. Hrsg. von Ludwig Hoffmann. Henschel, Berlin 1980, S. 163â168, hier: S. 164.
cite-note-3030. â John Willett: Erwin Piscator. Die ErĂśffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1982, S. 102; Siehe dazu auch die beiden Bände: Maria Ley-Piscator: Der Tanz im Spiegel. Mein Leben mit Erwin Piscator. Reinbek 1993; Erwin Piscator. Briefe aus Deutschland. 1951â66. An Maria Ley-Piscator. Hrsg. von Henry Marx, Mitarbeit Richard Weber. Prometh, KĂśln 1983.
cite-note-3131. â Alexander Stephan: Im Visier des FBI. Deutsche Exilschriftsteller in den Akten amerikanischer Geheimdienste. Stuttgart/Weimar 1995, S. 373.
cite-note-3232. â Klaus Gleber: Theater und Ăffentlichkeit. Frankfurt am Main 1979, S. 371.
cite-note-3333. â Erwin Piscator. Eine Arbeitsbiographie in 2 Bänden. Band 2: Moskau â Paris â New York â Berlin. Hrsg. von Knut Boeser, Renata VatkovĂĄ. Edition Hentrich, Berlin 1986, S. 198.
cite-note-3434. â Vorwort von Erwin Piscator. In: Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter. Reinbek 1963, S. 8.
cite-note-3535. â Henning Rischbieter (Hrsg.): Durch den eisernen Vorhang. Theater im geteilten Deutschland 1945 bis 1990. Hrsg. in Zusammenarbeit mit der Akademie der KĂźnste. Propyläen, Berlin 1999, S. 139.
cite-note-3636. â Peter Reichel: Erfundene Erinnerung. Weltkrieg und Judenmord in Film und Theater. Carl Hanser, MĂźnchen/Wien 2004, S. 217â227, hier S. 222.
cite-note-3737. â Dazu ausfĂźhrlicher Matthias Kontarsky: Trauma Auschwitz. Zu Verarbeitungen des Nichtverarbeitbaren bei Peter Weiss, Luigi Nono und Paul Dessau. Pfau, SaarbrĂźcken 2002; Matteo Nanni: Auschwitz â Adorno und Nono. Philosophische und musikanalytische Untersuchungen. Rombach, Freiburg 2004.
cite-note-3838. â Jochen Vogt: Peter Weiss. Rowohlt, Reinbek 1987, S. 95 (rowohlts monographien, 376).
cite-note-3939. â Heinrich Goertz: Erwin Piscator in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1974, ISBN 3-499-50221-6, S. 132 f.
cite-note-4040. â Die Pläne zur Entwicklung neuer Theaterformen âunter Mitwirkung des Kintoppâ und neuer Lichtwirkungen hatte Piscator bereits 1920 entwickelt. Siehe Brief Erwin Piscators an George Grosz, Mai 1920, In: Thomas Tode: Wir sprengen die GuckkastenbĂźhne! Erwin Piscator und der Film. In: Michael Schwaiger (Hrsg.): Bertolt Brecht und Erwin Piscator. Experimentelles Theater im Berlin der Zwanzigerjahre. Christian Brandstätter, Wien 2004, S. 13; Erwin Piscator. Die Briefe. Band 1. Hrsg. von Peter Diezel. Berlin 2005, S. 123.
cite-note-4141. â Das Programm der PiscatorbĂźhne. Nummer 1, September 1927. Hoppla, wir leben! von Ernst Toller. Hrsg. von der PiscatorbĂźhne. Berlin 1927, S. 16.
cite-note-4242. â Das Programm der PiscatorbĂźhne. Nummer 1, September 1927. Hoppla, wir leben! von Ernst Toller. Hrsg. von der PiscatorbĂźhne. Berlin 1927, S. 5.
cite-note-4343. â Dazu ausfĂźhrlicher: Beate Elisabeth Tharandt: Walter Gropiusâ Totaltheater revisited: a phenomenological study of the theater of the future. Southern Illinois University, Carbondale 1991. Stefan Woll: Das Totaltheater. Ein Projekt von Walter Gropius und Erwin Piscator. Berlin 1984.
cite-note-4444. â John Willett: Erwin Piscator. Die ErĂśffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1982, S. 122 f.
cite-note-4545. â Judith Malina: The Piscator Notebook. Routledge Chapman & Hall, London 2012
cite-note-4646. â Werner Mittenzwei: Brecht und die Schicksale der Materialästhetik. In: Dialog 75. Positionen und Tendenzen. Berlin 1975, S. 9â44, hier: S. 19 f.; Dasselbe in: Wer war Brecht. Wandlung und Entwicklung der Ansichten Ăźber Brecht im Spiegel von Sinn und Form. Hrsg. und eingeleitet von Werner Mittenzwei. Berlin 1977, S. 695â730.
cite-note-4747. â Krieg und Frieden. Nach dem Roman von Leo Tolstoi fĂźr die BĂźhne nacherzählt und bearbeitet von Alfred Neumann, Erwin Piscator und Guntram PrĂźfer. Rowohlt, Hamburg 1955 (= Tschechisch: Vojna a mĂr: Hra o 3 dÄjstvĂch. Dilia, Prag 1959. â Englisch: War and peace. Macgibbon & Kee, London 1963. â TĂźrkisch: SavaĹ ve BarÄąĹ. YankÄą, Istanbul 1971 u. Ăś.)
cite-note-4848. â Erwin Piscator: Briefe. Band 1: Berlin. Moskau 1909â1936. Hrsg. von Peter Diezel. B&S Siebenhaar, Berlin 2005, S. 189.
cite-note-4949. â Klaus Gleber: Theater und Ăffentlichkeit. Produktions- und Rezeptionsbedingungen politischen Theaters am Beispiel Piscators 1920â1966. Frankfurt am Main 1979, S. 266 f.
cite-note-5050. â John Willett: Erwin Piscator. Die ErĂśffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1982, S. 35.
cite-note-5151. â Michael Lahr (Hrsg.): The Erwin Piscator Award / Der Erwin Piscator Preis. Elysium â between two continents, MĂźnchen 2013
cite-note-5252. â Piscator â The Making of Eduardo Paolozzi's Euston Square Sculpture. Regie: Murray Grigor. Everallin, Inverkeithing 1984 [Dokumentarfilm]
cite-note-5353. â Willi WĂźrz, Otto Schäfer: Ulm. Chronik eines Dorfes. Vereinsring Ulm, Greifenstein 1996, S. 42
cite-note-5454. â Gert Heiland: Er lehrte Marlon Brando zu spielen. (Memento vom 7. Juli 2016 im Internet Archive) In: Wetzlarer Neue Zeitung, 6. Juli 2016
cite-note-5555. â Vollständigere Verzeichnisse von Piscators Inszenierungen zwischen 1920 und 1966 sind beispielsweise zu finden in: John Willett: Erwin Piscator. Die ErĂśffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Frankfurt am Main 1982, S. 221â255. â Erwin Piscator. Eine Arbeitsbiographie in 2 Bänden. Bd. 2. Hrsg. von Knut Boeser, Renata VatkovĂĄ. Berlin 1986, S. 304â310.
cite-note-5656. â DarĂźber hinaus existiert das HĂśrspiel Der Gouverneur und seine Männer nach Robert Penn Warrens Roman All the Kingâs Men in einer BĂźhnenbearbeitung von Erwin Piscator, das der SDR 1959 unter der Regie Karl Eberts produzierte.
cite-note-5757. â Die HR-HĂśrspielfassung des Stellvertreters von 1963 wurde auch als HĂśrbuch aufgelegt (MĂźnchen: der hĂśrverlag 2003).